Kryptowährungen

KryptowaehrungKryptowährungen sind ein Thema, bei dem man sich in seinem Unwissen ertappt fühlt und sich souverän nickend an einem möglichst wissenden Gesichtsausdruck versucht, während man hofft, dass das Gegenüber nicht das große Fragezeichen im eigenen Kopf durchschaut. Eventuell weiß man noch, dass Bitcoins etwas damit zu tun haben. Angesichts von Wörtern wie „Algorithmus“, „Blockchain“ oder „Bitcoin Mining“ scheint das Thema dann aber doch zu komplex und mathematisch für ein wenig entspannte Recherche am Sonntagnachmittag. Dabei ist das Thema gar nicht so unüberwindbar und kompliziert, wie es scheint. Hier findest du alle wichtigen Informationen zusammengefasst.

Was sind Kryptowährungen?

Im Prinzip ist Geld ein vollkommen abstraktes Gedankenkonstrukt. Eigentlich hat es keinen realen Gegenwert. Ein Geldschein hat zum Beispiel den Wert von weniger als einem Gramm Papier, während eine Goldmünze im Vergleich deutlich besser abschneidet. Geld hat also nur den Wert, den wir ihm zurechnen, indem wir es mit einer Leistung oder einem Produkt vergleichen, welches wir damit erwerben können. Dementsprechend stammt die ursprüngliche Idee einer digitalen Währung auch aus dem Cyberpunk, also der dystopischen Science-Fiction-Szene. Ende des 20. Jahrhunderts wurden hier Welten erdacht, in denen Personen in einer virtuellen Welt lebten und dort mit einer völlig digitalen Währung bezahlen. Ein aktuelles Beispiel wäre der von Spielberg verfilmte Roman „Ready Player One„. Hält man sich das vor Augen, fällt es einem schon deutlich leichter, sich gedanklich auf das mittlerweile real einsetzbare Konstrukt der „Kryptowährungen“ einzulassen.

Während Kryptowährungen eher dadurch bekannt wurden, dass sie etwa im Drogenhandel oder bei erpresserischen Hackerangriffen eingesetzt wurden, sind sie mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen: In einigen Onlineshops sind sie schon einsetzbar. Auch in einigen Metropolen kann man vereinzelt bereits vor Ort in Geschäften mit Bitcoins bezahlen. Der Grundgedanke hinter den Kryptowährungen ist die Idee, eine nicht von einer Zentralbank regulierte Währung, und somit Unabhängigkeit vom nicht transparenten Bankensystem zu erschaffen. Dieses hatte bis zur ersten erfolgreichen Kryptowährung eine Monopolstellung und die exklusive Aufgabe, Zahlungsmittel in Umlauf zu bringen, und diese Mittel zu vervielfältigen.

Als erste erfolgreiche Kryptowährung hat sich der 2008 entwickelte Bitcoin durchgesetzt, welcher 2009 auf den Markt kam. Ziel war eine Währung, bei welcher keine zentrale Instanz, sondern die Nutzer dieser digitalen Währung diese als Gesamtheit dezentral kontrollieren. Eine einzelne Person sollte keinen Einfluss auf die neue Währungsform nehmen können. Alle Informationen werden in Netzwerken getauscht. Jede Transaktion innerhalb der Währung wird öffentlich gemacht und gespeichert. Diesem Netzwerk kann dann im Prinzip jeder beitreten – indem er eben beispielsweise Bitcoins kauft.

Woher kommt der Name „Kryptowährung“?

Unterschiedliche KryptowährungenWenn uns etwas „kryptisch“ vorkommt, meinen wir, dass wir uns den Sinn dahinter nicht erschließen können. Dieser Sinn erscheint uns „verschlüsselt“. Kryptowährungen basieren auf der Verschlüsselung auf allen Ebenen – will man sie nutzen, müssen sie entsprechend entschlüsselt werden.

Kryptowährungen erhalten – Durch „Mining“

Bei der Entschlüsselung, wenn es also darum geht, neue Einheiten einer Kryptowährung zu erschaffen, wird es tatsächlich kompliziert – hier kommt nämlich Mathematik ins Spiel. Um eine neue Einheit, also etwa einen neuen Bitcoin, zu erschaffen, muss ein komplexes kryptografisches Verfahren, also eine unheimlich komplizierte Rechenaufgabe, gelöst werden. Ein festgelegter Wert ist mehrfach verschlüsselt und kann quasi nur durch das richtige Passwort erreicht werden. Der Vorgang nennt sich dann „Mining“. Keine Angst, um Bitcoins zu kaufen, musst du nicht selbst kniffelige Rechenaufgaben lösen. Auch wenn du in Mathe nie gut warst, kannst du Bitcoins kaufen und nutzen. Zwar wird nur durch die Lösung des mathematischen Problems ein neuer Bitcoin generiert; für das Lösen dieser Rechenaufgaben gibt es jedoch sogenannte „Miner„, der Vorgang heißt dann etwa „Bitcoin-Mining„.




„Miner“ besitzen Miningfarmen; hier werden die Transaktionen, also die zu lösenden Rechenaufgaben, welche im Netzwerk getätigt werden, überprüft, und – sofern diese korrekt war – zurück in die Blockchain geschrieben. Immer, wenn eine bestimmte Anzahl von Rechenaufgaben gelöst wurde, und so eine bestimmte Anzahl von Währungseinheiten erreicht ist, wird der Schwierigkeitsgrad der Rechenaufgaben automatisch erhöht, damit keine Inflation entsteht.

Einer Inflation wird außerdem dadurch vorgebeugt, dass jeder Kryptowährung ein bestimmter Algorithmus zugrunde liegt. Dieser lässt dann jeweils unterschiedlich viele Lösungen zu, bei Bitcoins sind das zum Beispiel maximal 21 Millionen. Das bedeutet: Danach ist Schluss mit dem Mining. Es können nicht unendlich viele Bitcoins durch mehr Miner hergestellt werden. Die Währung ist somit im Gegensatz zu unserem gewohnten Geld endlich, und kann nicht einfach nachgedruckt werden, ein Kaufkraftverlust der Währung ist somit weitgehend ausgeschlossen. Das ist gleichzeitig Vor- und Nachteil der Währung. Aufgrund der Begrenzung der Bitcoins und der stetig wachsenden Nachfrage von Nutzern, steigt der Kurs automatisch. Der Drang, die gekauften Bitcoins in der Angst, nicht unendlich nachkaufen zu können, zu halten, statt sie wie eine Währung zu nutzen, ist natürlich groß. Zudem soll durch die Begrenztheit das Geld-Schulden-System in Form von Zinsen vermieden werden. Aktuell sind bereits über 17 Millionen Bitcoins entschlüsselt und im Umlauf. Die Tendenz, die gekauften Bitcoins zu halten, wird somit größer, das Angebot kleiner.

Eine eigene Kryptowährung generieren?

Eigene KryptowährungDem ein oder anderen mag jetzt folgende Idee gekommen sein: Wenn einer Kryptowährung einfach ein bestimmter Algorithmus zugrunde liegt – kann ich dann nicht einfach meine eigene Kryptowährung erschaffen und dann am Mining teilhaben? In der Theorie funktioniert das tatsächlich. Zum Generieren einer solchen Kryptowährung bedürfte es lediglich selbstgebastelter sogenannter „Mining Rigs“ mit Grafikarten oder gekaufter „Miner“, die anhand des Algorhytmus die Kryptowährung durch Lösung der Rechenaufgaben aufbauen. Auf die Idee sind jedoch schon viele Menschen gekommen, und so lohnt sich dieses Vorgehen ohne weit überdurchschnittliche Kenntnisse in dem Bereich kaum mehr – und wenn wir ehrlich sind, würdest du diese Basis-Erklärung nicht lesen, würdest du dieses Spezialwissen besitzt.

Wie kann man Kryptowährungen kaufen?

Was du genau wie jedermann allerdings tun kannst, ist Kryptowährungen zu kaufen und kostenlos zu nutzen. Hierfür gibt es mittlerweile unzählige Plattformen, auf denen nicht nur Bitcoins, sondern auch zahlreiche andere Kryptowährungen angeboten werden. Dafür brauchst du jedoch zuerst ein sogenanntes „Wallet“, also eine entsprechende Brieftasche. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Zahlungsstelle, die keine konkreten Daten von dir sammelt, sondern dich lediglich zur Verfügung über einen bestimmten Betrag im jeweiligen Netzwerk (z. B. dem Bitcoin Netzwerk) berechtigt. Dabei gilt hier das Gleiche wie offline: Auch im realen Leben muss man seine Brieftasche vor Taschendieben schützen. Für virtuelle Brieftaschen gilt nichts anderes. Auf entsprechende Schutzmechanismen sollte bei der Wahl des Wallets geachtet werden.




Da die Wenigsten wissen dürften, woher sie jetzt ein „Wallet“ bekommen, gibt es Krypto-Anbieter, die dem Käufer direkt ein solches „Wallet“ zur Verfügung stellen. Bezahlen kann man dort bequem mittels bekannter Zahlungsmethoden: Per Lastschriftmandat oder Sofortüberweisung etwa. Anycoin Direct ist beispielsweise einer davon. Du kannst dann direkt loslegen und Transaktionen tätigen. Diese Transaktionen werden natürlich verschlüsselt, denn wie oben bereits erläutert stehen „Kryptowährungen“ für Verschlüsselung auf allen Ebenen: Teilnehmer, konkrete Transaktionen und eben auch die Wallets werden so verschlüsselt, dass sie mit den öffentlich in der Blockchain einsehbaren Daten nicht wieder entschlüsselt werden können. Ein Einsetzen einzelner Bitcoins von Nicht-Berechtigten wird somit verhindert. Öffentlich einsehbar sind nämlich nur die zum jeweiligen Bitcoin selbst gehörenden Daten.

Bei den Transaktionen fallen keine Transaktionsgebühren an und in kurzer Zeit können weltweite Transaktionen getätigt werden. Das sind die großen Vorteile der Kryptowährungen.

Sicherheitslücken

Nachteile sind Design- oder Softwarefehler, welche zum Zusammenbruch des Systems führen können. Solche Fehler können zwar durch Korrekturen der Software verändert werden – jedoch muss diese korrigierte Version von mindestens der Hälfte der Anwender akzeptiert werden, damit mehr als die Hälfte der Rechenleistung auf sie entfällt. Ist das nicht der Fall, kann es zu einem sogenannten „51 % Angriff“ kommen, wie es etwa im Mai 2018 beim Bitcoin Gold der Fall war.

Hält ein Besitzer mehr als 51 % der Rechenleistung, kann dieser als Angreifer den anderen Nutzern eine neue, korrupte Bitcoin Software unterschieben, die nicht erkennt, dass bereits Teile der Blockchain, in denen Bitcoin-Transaktionen gespeichert werden, rückgängig gemacht, und durch neue Teile ersetzt werden. Dadurch können die Transaktionen von einem Nichtberechtigten erneut getätigt werden. Das wäre vergleichbar damit, offline Falschgeld in Umlauf zu bringen.

Kryptowährungen als Geldanlage?

Geldanlage BitcoinDas ist der Punkt, an welchem Halbwissen in Bezug auf Kryptowährungen gefährlich werden kann. Entgegen dem Eindruck, den man nach überschlägiger Prüfung der Materie gewinnen könnte, sind Kryptowährungen als Geldanlagen nicht zu empfehlen. Schwankungen im Wechselkurs mag man ja noch bereit sein, in Kauf zu nehmen – die gibt es schließlich bei jeder Währung. Die Nachteile und Probleme von Kryptowährungen liegen jedoch in der rechtlichen Bewertung. Der rechtliche Status von Kryptowährungen ist nämlich noch immer nicht geklärt. In manchen Ländern, etwa in Thailand sind Kryptowährung sogar komplett verboten. Im Endeffekt bedeutet das, dass du im Zweifelsfall keinerlei rechtliche Ansprüche hast. Bricht der Markt oder das Internet zusammen oder entdeckt ein Hacker beispielsweise eine Sicherheitslücke im System, hast du eben Pech gehabt. Dementsprechend solltest du dich nicht alleine auf Kryptowährungen verlassen und kein Geld investieren, dessen Verlust du im Zweifelsfall nicht verschmerzen könntest.

Was bringt die Zukunft?

In naher Zukunft werden Kryptowährungen wie der Bitcoin unser „reales“ Geld der Zentralenbank nicht ablösen oder gefährden. Dafür ist der Kurs noch zu instabil. Damit geht ein erhebliches finanzielles Risiko für diejenigen einher, die Geld etwa in Bitcoins oder Altcoins (andere Kryptowährungen wie Bitcoin) investiert haben. Und auch wenn Verbote wie das in Thailand technisch bisher kaum umsetzbar scheinen, sollte man die Illegalität und den dieser Illegalität zugrunde liegenden ungeklärten Rechtsstatus ernst nehmen – schließlich gehen mit diesen Verboten immer wieder starke Kursschwankungen einher.

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